Etta Streicher

Mainz/Frankfurt

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Kontakt:
etta at ettastreicher.com


(arme sau)

da stand mal ein dummer

mit liebeskummer

und ohne mobiltelefon.

kein hoffnungsschimmer

es wird nur immer schlimmer

-verfolgt von freudestrahlenden händyhabern

die freudestrahlend liebkosungen in ihr gerät reinlabern

er platzt fast und der abend bricht an

die ganze welt lacht und spricht

aber ihn spricht sie nicht an.

er steht immer noch da

und schliesst seine augen.

hat den beschluss gefasst,

das augen nix taugen.

„liebe macht blind“

sagt frau ironie zu ihm und lächelt,

„wir sind dem, was augen uns sagen schon viel zu lange nachgehechelt

und jetzt, verdammt nochmal,  spring!

in den reissenden fluss

das ist, wie du weißt so ein ding,

das genauso wie scheissen sein muss.“


(freitag x)

ich hab kein problem,

ich fühl mich nur einsam.

man kann halt im leben

auf ein mal nur eins haben.

naja , ich geh heim

und es regnet ,da wo ich gehe

komm schließlich rein

ins trockne und da ist eine glotze,wo ich jetzt hinsehe

das programm ist beschissen

so fühl ich mich auch,

nutella und bier ist im kühlschrank,

na dann gute nacht,mein lieber bauch

krankenwagen mit blaulicht rast vorbei

blaues-licht-fläsh für mich

und das nachts um halb zwei.

mein weisheitszahn hat ein loch

und mein herz juckt wie blöd,

ich versuche verzweifelt zu lesen,

was auf meiner hand geschrieben steht.

das telefon geht dicht,die rechnung steht ja noch aus

und im flur ist ne ratte,nicht etwa ne maus

schütte mir salz in den kaffee

und um mich zu retten ,

schütt ich die brühe über meine allerletzten zwei zigaretten

mir ist schon zu übel,um das glas martini ganz auszutrinken

und vor lauter müll und krümel, mag ich auch nicht in der couch versinken

ich kratz ein paar krümel tabak zusammen

und als ich das kunstwerk dann anzünde,

steht nicht die kippe, sondern meine haare in flammen.

ich fluche nicht

sondern glaube ganz fest daran :

es wird nicht mehr schlimmer.

da kommt, langsam aber sicher

ein orgasmus aus dem nachbarzimmer

mein leben erlebt einen höhepunkt

zur richtigen zeit, am falschen ort, im falschen zimmer

wie immer


(gretchen)

DIE WELT IST VOLL VON DINGEN,

DIE WIR GAR NICHT BRAUCHEN.

ICH MUSS IMMERZU WAS TRINKEN,

DENN DANN KANN ICH RAUCHEN.

WIR MÜSSEN MEHR PRODUZIEREN,

DANN KÖNNEN WIR MEHR VERBRAUCHEN.

ICH MUSS JEDEN TAG ZUR ARBEIT GEHEN,

DANN KANN ICH ABENDS SAUFEN.

ICH MUSS NÄMLICH VIEL GELD VERDIENEN,

DANN KANN ICH MIR VIEL KAUFEN.

ICH MUSS MICH ÜBERARBEITEN,

DANN GEHÖRE ICH ZU DENEN, DIE SICH NIEMALS ÜBER STRESS BESCHWERTEN.

ICH MUSS NACH DEM ESSEN KOTZEN GEHEN,

DANN GEHÖR ICH ZU DEN ESSGESTÖRTEN.

ICH MUSS NATÜRLICH GUT AUSSEHEN,

SONST BIN ICH NICHT INTERESSANT.

ICH MUSSTE MAL MIT FEUER SPIELEN,

UND HABE MICH VERBRANNT.

ICH MUSS MIR VIEL TV REINZIEHEN,

SONST WERD ICH NICHT RICHTIG STUMPF.

ICH KANN NICHT AUS DEM ALLTAG FLIEHEN,

DER ALLTAG IST EIN SUMPF.

ICH MUSS 230 FAHREN,

DAS KANN MAN DOCH NUR HIER.

ICH MUSS ES ALS BALLASTSTOFF TARNEN,

DAS ALLABENDLICHE BIER.

ICH MUSS VIELE BANANEN ESSEN,

SONST BRECHEN MEINE KNOCHEN.

ICH HABE KEINEN STINKEFINGER,

DAS HÄTT ICH LÄNGST GEROCHEN.

ICH MUSS NICHT AUF DER STRASSE LEBEN,

ICH MUSS NUR DARAUF FAHREN.

MAN MUSS KARTOFFELN ERST MAL KOCHEN,

SONST KÖNNEN SIE NICHT GAREN.

ICH MUSS MAL AUF DEN JAHRMARKT GEHEN,

DANN MUSS ICH AUCH MAL SCHIESSEN.

ICH MUSS MIR PLASTIKPFLANZEN KAUFEN,

DIE MUSS ICH DANN NICHT GIESSEN.

ICH MUSS AUCH KEINE KINDER KRIEGEN,

DANN MUSS ICH MICH NICHT KÜMMERN.

UND AUSSERDEM MUSS ICH JA NICHT

DEN WELTHUNGER VERSCHLIMMERN.

ICH MUSS DIR MEINE NUMMER GEBEN?

DU MUSST MICH NOCH MAL SEHEN?

HIER IST DIE NUMMER BITTE SEHR:

NULL ACHT FÜNF ZEHN


(konkreter vierzeiler,

den hab ich mit meinem kumpel stulli zusammen gedichtet)

alle speisen schmecken grässlich

die menschen, das sind alles zicken

manchmal fühl ich mich so hässlich

und manchmal will ich ficken.


monogamie)

na? heute schon dein herz verschenkt?

na ? schluckauf, weil er an dich denkt?

na dann ist ja gut

solange es dir gut tut

weißt du,

ich kann gut leben ohne männer.

und weißt du,

ich denke,ich entwickle mich zum menschenkenner

und die kerle , die ich geil find,

sind meistens echte penner

ich bin zu allem bereit

aber sie zu nichts zu gebrauchen

und wenn sie bloß schön sind

kann man sie eh durch die pfeiffe rauchen

der traum vom prinzen ist ausgeleiert

und , weißt du...,

wer nach prinzen geiert ,

hat doch den bezug zur realität verloren

ich wurde nicht in ein märchen geboren

sondern in ein abenteuer !

ich spiel nicht mit goldenen kugeln ,

ich spiel mit dem feuer

und da vermeintliche helden lieber wegrennen,

als sich möglicherweise die finger zu verbrennen,

ist mir von vornherein der spaß verdorben.

weißt du,

ich glaube echte helden sind ausgestorben.


märz 00  (kurz vor 23 uhr)

als der bus anhält, und eine freundliche stimme mir ins ohr haucht  „hauptbahnhof , sternanschluss in alle richtungen“, kann ich nicht widerstehen. ich steige aus und stelle mich am fahrkartenschalter an.

heute werde ich es einfach mal auprobieren, denke ich mir, und warte geduldig, bis ich drankomme.

ich ignoriere die weißgelockten soldaten in pastellfarbenen uniformen und die miniberöckten schneckchen mit den roten bäckchen, die um die soldaten herumturteln.

und ich ignoriere den mann mit dem cowboyhut und dem sherriffstern und die frau mit den grünen lippen und den pinkfarbenen haaren, die an seinen handschellen hängt.

und ich ignoriere die dicke frau mit den schwarzen zähnen und dem plastikbesen und den scheich mit seiner apfelkornflasche und den 2 meter mann in strapsen.

und ich ignoriere das mädchen mit den zerfetzten schwarzen klamotten und dem bleichen gesicht, mit dunklen rändern um die augen und ihre knallroten, superlangen fingernägel und die vogelspinne auf ihrer schulter und wie sie mir im vorbeigehen, beim naserümpfen ihre spitzen zähne zeigt.

und ich ignoriere den kerl mit den lederklamotten, der sich raubvogelfedern in seine langen schwarzen zöpfe und an sein stirnband gebunden hat.

und ich ignoriere den kleinen mit dem iro, der gerade an den bauzaun und an ein gelbes fahrrad kotzt, und ich ignoriere die maus und den blauen elefanten, die sich über ihn totlachen, der elefant kriegt kaum noch luft vor lauter prusten.

und ich ignoriere den beleibten, älteren herren im gestreiften anzug, mit dem riesenschnuller um den hals. und ich ignoriere das überlebensgroße handy, das lauthals trällernd an mir vorbeihüpft. und ich ignoriere die karotte, die wild mit einer tomate rumknutscht und den frosch und die schöne prinzessin, die das anscheinend noch nicht getan haben. und ich ignoriere den hageren kerl mit der dicken roten nase, der eine tüte bierflaschen trägt, und ständig über seine viel zu großen schuhe stolpert. und ich ignoriere die elfe, die durch die menge schwirrt und feenstaub über die leute streut und ich ignoriere die nonne und den mönch, die sich händchenhaltend eine bratwurst teilen. und ich ignoriere den papst , der biertrinkend an mir vorbeischwankt, genau wie die kuh, die biertrinkend am papst vorbeischwankt. den mann in der blauen uniform mit dem oberlippenbart ignoriere ich nicht.

ich frage ihn, wieviel ein ticket zur venus kostet.

er schaut mich irritiert an und fragt, ob ich irgendwie im falschen film sei. die venus sei ein planet, und er verkaufe nur tickets zu sternen .

naja , denke ich mir, nicht bereit, aufzugeben, und kaufe mir das billigste ticket zu einem  stern, von dem ich noch nie gehört habe .

„ na dann viel spaß, und helau, junge frau ! " ,meint der mann in blau , und ich mache mich auf die suche nach gleis 11, wo mein zug abfährt .

ich folge einer ziemlich unlogischen beschilderung durch nord- und süd-unterführungen, und treffe dabei einen kleinen, schwitzerdütsch sprechenden rastamann, der mich fragt, wo es denn bitte nach amsterdam geht .

er ist ein wenig desorientiert und hat noch nicht mal geld dabei, also überrede ich ihn in mainz zu bleiben, weil das keinen ärger macht, und außerdem noch singt und lacht .

als er sich dankbar von mir verabschiedet und richtung ausgang trottet, fällt mir die geschichte vom kleinen prinzen ein, und da fällt mir auch gleis 11 wieder ein, und ein monitor, der vor mir steht, zeigt mir, das ich noch genau 5 minuten zeit bis zur abfahrt habe. und tatsächlich erreiche ich nach genau 4 minuten und 44 sekunden das gleis, wo ein gelber zug auf mich wartet, der aussieht, wie fuchur aus der unendlichen geschichte, und auf dem in großer roter schreibschrift die worte „ mellow shuttle “geschrieben stehen .

als ich das wohlig warme innere erreiche, werde ich von einem schönen jüngling, mit durchtrainiertem, nacktem, goldenen oberkörper an der hand genommen, und zu einer orangefarbenen plüschcouch geführt, auf der mein name eingestickt ist .

ich wundere mich überhaupt nicht, sondern lasse mich auf sie fallen, schlafe direkt kuschelig flauschig ein, und träume vom kleinen bär und vom kleinen tiger und von panama.


wenn du einem fisch zu lange in die augen schaust, erstickt er.

wenn du dem falschen typ zu lange in die augen schaust, dann fickt er dich in seinem kopf und du kannst dich gar nicht wehren. hast noch nicht mal einen grund, dich lauthals zu beschweren.schmeisst ihn notgedrungen in den notgeile-und-ficker-topf.

schaust ihn noch mal abfällig an, und merkst,

der fick war in deinem eigenen kopf.


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