Jaromir Konecny


1956 in Prag geboren, verdingte sich als Industrie-Metaller, Schiffsmeister auf der tschechischen Elbe und zwei Jahre lang auch als Techniker in Lybien, bevor er 1982 in die Bundesrepublik Deutschland emigrierte. Dort, also hier, genauer in Niederbayern, verbrachte er ein Jahr in einem Sammellager, hielt sich mit diversen Jobs über Wasser, bis er dann in München zu studieren begann. Heute ist er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Theoretische Chemie an der technischen Universität München. Seine Dissertation über die Entstehung und Theorie des genetischen Codes ist unter Fachleuten fast schon ein Klassiker. Der Fritz-Hüser-Preisträger des Jahres 1995 ist eine der schillerndsten Figuren der deutschen Slam-Szene, was er regelmäßig, quer durch die Republik, bei diversen Slam-Events immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt.

 

Seine Homepage: www.jaromir-konecny.de
 
 

Texprobe:

Die Katze am Sack
für Philip Gisdakis

Sie war die schwärzeste Frau meines Lebens. Ihr Haar schluckte die Strahlen der Kneipenbeleuchtung wie ein schwarzes Loch, genauso die finstere Bluse, aus deren tiefem Ausschnitt mir ihr blasser Busen ins Auge knallte. Fast eine Botschaft, wenn ihr schwarzer Lederminirock nicht wäre und die schwarzen Netzstrumpfhosen mit Maschen groß wie Fenster zur Hölle.
Bei einem solchen Anblick lechzt der Mann nach Abenteuer. Vor ihr auf dem Tisch lag neben einer Schachtel Gauloise Schwarz ein großer Metalldrache. Wie ein Wachhund! Ich bat sie ums Feuer, und aus seinem Maul spie mich eine Autogen-Flamme an. "Zu viel Gas", sagte sie, "Entschuldigung!"

Ich winkte ab. "Macht nichts. Muß morgen sowieso zum Friseur."

Doch sie lachte nicht. Ohne lange rumzureden, faßte sie mich an der Hand und sagte: "Dein brennendes Haar war das Omen. Du erinnerst mich an Giordano Bruno. Und heute ist Vollmond. Gehen wir zu mir?" Hätte ich da schon "nein" sagen können?

In der U-Bahn verkündete sie laut: "Es gibt zwei Arten von Männern: Männer, die mit mir vögeln, und Männer, die mit mir vögeln möchten." Ein paar mitfahrende Rentner bekamen vor Scham rote Ohren. Ich hoffte, bald die Schubladen wechseln zu können, obwohl mich die U-Bahn-Rentner mitleidig anguckten.

Auch ihre Altbauwohnung versprach Nervenkitzel. Im Flur sprang sie ein Kater an, fett wie ein Schwein und schwärzer als die Nacht. Sabberte wie ein Hund. "Putzi, putzi, putzi", sagte sie und küßte das Vieh ab. Ich versuchte vorsichtig, mich an der Mieze vorbei ins Zimmer zu schleichen, aber als ich schon fast drin war, machte das Tier das Maul auf und zischte mich unwirsch an. Hat es heute schon seine Milch bekommen? Ich überlegte, ob ein Fick das richtige Abenteuer für mich sei. Die schwarze Braut lachte auf: "Der Putzi mag dich", sagte sie, stürzte sich auf mich und warf mich auf ein breites Doppelbett, das mit einem dunkelvioletten Bettlacken bezogen war. An die Decke hatte jemand eine große Fledermaus gemalt. Ich leistete keinen Widerstand. Zu viele Tiere für einen Abend. Mit einer Hand nahm sie sich meine verschiedenen Körperteile vor, mit der anderen riß sie ihre schwarzen Strumpfhosen herunter und versuchte im Scherz, meine Hände damit ans Bettgestell zu fesseln. Kicherte dabei hemmungslos. Ach, du Scheiße! Bald wird sie eine Peitsche hervorzaubern und mir eins überbraten. Als sie sich die schwarze Bluse über den Kopf zog, stopfte ich die Netzstrumpfhose zur Sicherheit hinter die Matratze. Gleich fühlte ich mich gemütlicher. Nicht lange. Der Kater hockte neben dem Bett und fauchte mich an, als ob er in seinem früheren Leben ein Säbelzahntiger gewesen wäre. "Putzi ist eifersüchtig", sagte sie, "wir müssen das Licht ausmachen." Doch das Fauchen ließ sich nicht ausknipsen. Im Zimmer blieb es sowieso ziemlich hell. Ob es vom Vollmond beleuchtet wurde, oder von den zwei glühenden Augen, die jetzt um das Bett herumstreunten, konnte ich nicht entscheiden. Scheiß Drauf! Zumindest werde ich wie ein Mann sterben. Bei der Tat!

 

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