Alexandra Becht

Die am 06. Juli 1977 geborene Wahlfrankfurterin Alexandra Becht entdeckte schon früh ihre Vorliebe für’s Schreiben. Mit anfänglichen englischen Texten ging sie mehr und mehr "Back to the Roots", um schließlich ganz und gar in ihre Muttersprache einzutauchen. Ihre Gedichte beinhalten "Gott und die Welt" aus ihrer ganz persönlichen Sicht. In diversen "Art & Word" Ausstellungen in und um Frankfurt, für die sie in Kooperation mit einem bildenden Künstler mitverantwortlich war, publizierte sie erstmalig ihre Gedichte. Zur Zeit arbeitet sie an einem Multimediabuch.
Weitere Infos unter:
www.per-vers.com

Feedback, Kritik und Reflexionen unter: meinwort@gmx.de

 
PerVers

Opfergaben am Altar geistiger Revolution
Niederwerfungen für das Kontroverse
Ideologie als PerVersion in Perfektion
wenn sie normal sind bin ich das PerVerse

schamlos geistesgegenwärtig betreibe ich Unzucht
abgrundtief sinnig ist mein Fetisch die Andersartigkeit
Erkenntnis kommt gleich nach der Flucht
aus der Massenhaltung die auf Anpassung verweist

perVers ist mein Gedanke wenn jeder andere zum Streit führt
perVers ist meine Tat wenn jede andere auf eigenen Vorteil bedacht
perVers ist meine Liebe wenn jede andere zu Tränen rührt
perVers ist meine Erkenntnis wenn jede andere aus Verblendung erwacht

nackte Finger zeigen auf mich wie Speere
meine Minderheit reizt ihre Norm
allein die Mehrheit rechtfertigt ihre Heere
die alles angreifen was nicht konform

perVers will ich sein wenn sie normal sind
perVers ist mein Reim wenn er in deine Seele eindringt

mit Angst schreite ich durch ihre Reihen
gebangt höre ich wie sie von Bruder Frieden sprechen
denn Drachen die zum Schutze Feuer speien
werden ihr Leid auch am Falschen rächen

perVers ist mein Wort wenn jedes andere auf Lügen beruht
perVers ist mein Traum wenn jeder andere unerfüllt bleibt
perVers ist mein Wesen wenn sich jedes andere auf Schönheit beruft
perVers ist meine Berührung wenn jede andere nach Wärme schreit

ich komme perVers
via geistige Revolution
hingebungsvoll kontrovers
wenn sie normal sind
bin ich die PerVersion in Perfektion.


Nackt

Ich sehe euch Intimitäten meiden
weiß um eure Unnahbarkeit
spüre euch eure Seele verschweigen
und höre wie sie schreit

um Offenbarung bittet fleht
gegenüber dem den ihr nicht kennt
denn wenn ihr’s euch mal eingesteht
war euch auch der beste Freund mal fremd

nicht weniger als ich
kenn euch nur als Schar von Kritikern
und doch entblöß ich mich
vor Kopfschüttlern und Abnickern

auf einer Bühne stehend
schutz- und hüllenlos
vor Scham fast vergehend
trag ich meine Seele bloß

um sie nahezulegen
in nicht mehr als einen poetischen Akt verpackt
um Einblick zu geben
steh ich vor euch splitterfasernackt

vor dem Mann der selten tiefer
in einer Frau steckte
vor der Frau die selten lieber
Gleichgeschlechtliche entdeckte

warum länger genieren
auch wenn sich die Masse von mir entfernt
kann nur einer reflektieren
dann war es meine Nacktheit wert.


Koexistenz

Steh ich wirklich hier
und schwinge große Reden
oder steh ich neben mir
und ein andrer zieht die Fäden

wie ist die Wirklichkeit
und wie erscheint sie dir
wenn Realität verschleiert bleibt
was existiert dann hier

Vermutung Erfahrung oder gar Instinkt
subjektive Empfindungen die beliebig wahr machen
doch wenn du auf zwei Beinen läufst aber mit einem hinkst
betrittst du mit welchem den Boden der Tatsachen

es trügt der Schein
der mehr Poet ist als ich je sein werde
seine fälschliche Auffassung macht zwar kein Reim
aber lockt dennoch seine Zuhörer auf falsche Fährte

schaust du mich wirklich mit großen Augen an
weil du dich und deins in mir erkennst
oder doch nur weil du mir nicht folgen kannst
dir meine Nase nicht gefällt

wenn letzteres zutrifft was gefällt dir an ihr nicht
weil ich sie vorn hab wo sie hingehört
schau noch mal der Wahrheit ins Gesicht
ist’s doch mein Spürsinn der dich stört

weichst du von mir aus Abgeneigtheit
oder nur um höflich Platz zu machen
und verfehlen sich unsre Blicke aus Eitelkeit
oder weil Angst und Bange über uns wachen

ich bin mir nicht sicher - sicher ist nur der Tod
in einer Koexistenz von Realität und Schein
mach ich eine Tugend aus der Not
und sage: nur ich selbst ergebe Reim.


Land unter

Wir brechen alle Dämme
legen uns in die Flußbetten
und saugen auf wie Schwämme
was von ihrer Tiefe noch zu retten

du irrst wenn du glaubst
wir sitzen im gleichen Boot
die Trivialität die du verstaust
bringt uns erst in Seenot

du fürchtest jede Stromschnelle
aus Angst über Bord zu gehen
wir bet’n um eine Welle
groß genug um uns mitzunehmen

und waschen unsre Hände in Unschuld
auch wenn wir dein Schiff versenken
aber ein Ende folgt jeder Geduld
die vergeblich versucht deine Wurzel zu tränken

wir beschwören deinen Untergang
im Blutbad der Havarien
wenn die Schlacht beendet die niemand gewann
wirst du auf unsrer Seele knien

aber man entfernt den Mensch von seiner Oberfläche
nur wenn man sie ihm nimmt
schlagt die Betten auf für die heiligen Bäche
auch wenn es nach Sintflut klingt

wir fluten deine Lagunen
und entern deine Frachter
sie laden Sklavenkommunen
zu unser aller Laster

wir nehmen den Wind aus deinen Segeln
fällen Brücken stürzen Stege
richten aus sämtliche Pegel
und versperr‘n deine Fluchtwege

du flüchtest vor der Flut
aber du entkommst ihr nicht
nimm noch ‘nen guten Atemzug
jetzt heißt’s Land unter statt in Sicht

Bach zu Fluß zu Strom zu Meer
Wasser Marsch es geht tiefer.


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