Amelie von Frankfurt

 

 

Homepage: www.amelievonfrankfurt.de


Zu Amelie von Frankfurt
Amelie von Frankfurt ist in selbiger Stadt - an einem Wäldchestag - unter Merkurs Einfluss geboren, weshalb sie von jeher ein starkes Kommunikationsbedürfnis hat und manchmal Geschichten erfindet, wovon sie manche aufschreibt.
Sie ging in einer kleinen unbedeutenden Stadt zur Schule und verließ diese dann für immer um schönere Ecken der Welt zu entdecken. So hielt sie sich beispielsweise ein ganzes Weilchen in der Heimat ihrer Landsmännin Pippi Langstrumpf auf, deren Lebensprinzip ["...ich mach mir die Welt widde-widde-wie sie mir gefällt!"] sie von Zeit zu Zeit annimmt.
Einige Zeit hauste Amelie von Frankfurt auch in einem klitzekleinen Dachkämmerchen mit einem wunderbaren Blick über die Silhouette der Frankfurter Skyline und widmete sich dem Studium, bis ein gigantisches Jobangebot sie in die süddeutsche Proseccometropole lockte, wo sie es ein halbes Jahr aushielt, bis der nächste Job sie für mehrere Monate in die tiefste deutsche Provinz schickte. Danach kehrte sie kulturell völlig verwahrlost in die bayrische Hauptstadt zurück. Aber bereits nach zwei Monaten kam sie wieder, denn sie hatte vorerst genug von Auslandsaufenthalten. Jetzt hat sich Frau von Frankfurt zunächst in Frankfurt niedergelassen und freut sich sehr darüber, denn sie mag diese schöne, ruppige und ehrliche Stadt, der sie ihren Namen verdankt, recht gerne.
Auf ihrer Seite www.amelievonfrankfurt.de (an der z. Zt. noch kräftig gearbeitet wird), schreibt sie auf was ihr in den Sinn kommt, dokumentiert und kritisiert mancherlei Alltagsbegegnungen und stellt unbequeme Fragen.
-Frank-


Weihnachtslied 2002

Jedes Jahr wenn ich das Novemberkalenderblatt abreiße
seufze ich leise, und sage immer wieder auf die gleiche Weise:
"Weihnachten - ach du heilige Scheiße."

Worauf mich unzählige Lebkuchenpaletten seit Anfang September längst vorbereitet haben sollten
habe ich strikt ignoriert, bin dran vorbeigelaufen und habe es als Sommerloch-Gag abgegolten

Ich ja Leute die sagen strikt ‚Nee
den ersten Lebkuchen gibt's erst zum ersten Schnee'
Und andere sagen emsig-kopfnickend bestimmt
‚Also -ich-, esse Lebkuchen erst im Advent [mit erhob. Zeigefinger] Wenn das erste Lichtlein brennt !'

Ich antworte darauf nur "Ok, liebe Freunde, macht es wie's euch behagt
ich habe meine Ration für dieses Jahr schon gehabt.
Im selben Atemzug oute ich mich als Nicht-Geschenke-Kaufer
obwohl ich da -bis dieses Jahr- nie ganz konsequent war.

Und Ende November, wo die Stiefmütterchen noch ganz prächtig blühen
musste ich in meiner Kleinstadt übern Weihnachtsmarkt gehen
Zwischen Dönerbuden, Pfadfindermaronen und Modeschmuckständen
standen sie dann alle da, die Leute, mit Glühweintassen in den Händen
aßen Popcorn, blickten dumm rum und redeten Bullshit
viele brachten ihre Kinder und Hund und manche ihren neuen Freund oder Freundin mit
"sehen und gesehen werden"
nur die Omas redeten wie immer über ihre Beschwerden...

Apropos Oma ! Meine rief mich am selben Abend noch an
und das war eigentlich der Punkt wo meine Verzweiflung begann:
Wir werden sie nämlich dieses Jahr besuchen
back to the roots -Familie zusammenführen- wir wollens versuchen
Und wie sie den "heiligen Abend" zu verbringen gedenkt
dazu habe ich ihr mal mein Ohr geschenkt:

Den Tannenbaum aus dem Schwarzwald, der seit Sonntag bei meinen Eltern weilt
brauchen wir schon mal nicht mitbringen, weil es sehr eilt
denn sie möchte den Christbaum fertig schmücken
bevor wir anrücken
und möchte auf jeden Fall verhindern, dass durch gemeinsames Schmücken
‚Hektik!' entsteht, das könnte ja die Stimmung drücken.
Alles soll schon fertig sein
das Essen gekocht, das Wohnzimmer rein
André Rieu würde aus der Anlage geigen
und harmonisch tanzt die Familie einen Reigen...
An Weihnachten bloß keine langen Gesichter ziehn
nur strahlende Mienen erhellen die Kerzenlichter. Na schön.

Doch dann sprach sie vom "Weihnachtsmenü"
und zwar nichts simples wie beispielsweise Fondue
Ganz was tolles wolle sie da inszenieren
von Fisch war die Rede, und von Panieren
von rechts und von links, braten, pochieren
ich glaube dann in einen Mantel packen
und noch 20 Minuten bei 180° Umluft backen
Dazu etwas Gemüse blanchieren
um das Ganze zum Schluß zu Flambieren
Aber für den Onkel -ihren Sohniboy- muss an Weihnachten Fleisch auf den Tisch
was soll das Theater mit dem ewigen Fisch
der kriegt eine Extra Entenbrust
die isst er hoffentlich mit Lust (nicht Frust)
denn seine Weihnachtstradition und Art
sind eigentlich Würstchen mit Kartoffelsalat.

Der Kirchgang bleibt uns sicher nicht erspart
dieses Jahr kommt es hart auf hart
Sonst war immer nach bei Glockengeläut auf dem Eisernen Steg Punschrum trinken
an die vorgenommene Christmette nicht mehr zu denken
der sanfte Rausch verschaffte stets einen seligen Schlaf
und auf einen Schlag
war schon 1. Weihnachtsfeiertag
Dafür entgehen wir vielleicht dem Weihnachtssingen mit Halleluja und Glorien
denn meine Großmutter bevorzugt Weihnachtsoratorien
Ich hoffe die werden alle ausverkauft sein
und stattdessen hören wir es zu Hause auf CD und trinken Wein
sitzen traut unter dem mit pinkem Lametta behängten Baum
und werden alle zu tief ins Glas schauen
Dann werden unzählige Fotos geschossen
"ach kommt noch ein Bild!", sie ist da ganz unverdrossen
Alte Geschichten werden wieder ausgepackt
und ein bisschen aufeinander rumgehackt
bis wir uns alle wieder vertragen
-Geschenkbändel liegen auf dem Boden rum-
und gähnen und einander sagen
Oh Gott, wie schön, es ist wieder um!

A .v. Frankfurt

 

 

 

 

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